Das letzte große Abenteuer

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Das letzte große Abenteuer

Beitragvon Aelinor » 20.09.2006, 21:59

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Das letzte große Abenteuer

Suche nach Wiskiauten



Russische und deutsche Archäologen haben in der Ostsee-Exklave Kaliningrad (Königsberg) Siedlungsspuren entdeckt, die möglicherweise zum legendären Wikinger-Handelsplatz Wiskiauten führen. Der Fundort liegt auf einem Feld nahe der Kurischen Nehrung etwa drei Kilometer südlich des Seebades Selenogradsk (Cranz). Die in knapp einem Meter Tiefe freigelegten Feldsteinpackungen, Reste eines Brunnens und mehrerer Häuser, stammen ungefähr aus dem 12. Jahrhundert. "Das ist zwar noch etwas jung, gut zwei Jahrhunderte fehlen uns schon noch bis in die Wikingerzeit", sagt der deutsche Grabungsleiter Timo Ibsen. "Aber wir sind auf der richtigen Spur."



Der Kieler Archäologe und seine Kaliningrader Kollegen Wladimir Kulakow und Konstantin Skworzow suchen seit Jahren nach dem verschollenen Ort. Wiskiauten ist eines der letzten großen archäologischen Geheimnisse im Ostseeraum. Auch nach 160 Jahren frühgeschichtlicher Forschung im einstigen Ostpreußen weiß niemand, wo der legendäre Ort lag. Bekannt ist nur ein Gräberfeld auf einem flachen Hügel namens Kaup nahe des heutigen Dorfes Mochowoje, das schon 1865 entdeckt wurde.



Amateur-Archäologen der Königsberger Altertumsgesellschaft "Prussia" bargen aus den mehr als 500 Gräbern kostbare Beigaben: silberne Fibeln, Schwerter und Lanzenspitzen, Schmuck, sogar Reste von Trachten, alles in unverkennbar skandinavischer Prägung. Die ältesten Wikingergräber gehen zurück bis in das 9. Jahrhundert. "Es gibt sehr viele Frauengräber. Darum gehen wir davon aus, dass die Menschen aus dem Norden nicht auf Beutezug herkamen, sondern hier lebten, in einer multiethnischen Siedlungsgemeinschaft mit Dänen, Goten und den einheimischen Prussen", meint Kulakow, Leiter der baltischen Expedition am Nationalen Archäologie-Institut Russlands. Er forscht seit den 70er Jahren auf den Spuren Wiskiautens und seiner Nekropole und hat dort viele Funde geborgen – immer im Wettlauf mit illegalen Raubgräbern. Die haben schon Dutzende Hügelgräber geplündert und gehen immer professioneller vor.



Die Wissenschaft stellt Wiskiauten in eine Reihe mit Haithabu bei Schleswig, mit Ralswiek auf Rügen, der Vineta-Insel Wolin und dem ebenfalls lange verschollenen, erst vor wenigen Jahren entdeckten Truso bei Elblag (Elbing) am Frischen Haff. Das Handelsnetzwerk der Wikinger entlang der Küste ist gut erforscht. Nur Wiskiauten fehlt. Als sicher gilt, dass es direkten Zugang zum Wasser hatte. Die Skandinavier waren Bootsfahrer. Drei Kilometer nordöstlich der Grabungsfläche beginnt das Kurische Haff, eine große Süßwasserlagune, die durch die Nehrung von der Ostsee getrennt wird. "Vor tausend Jahren lag die Öffnung zum Meer noch hier im Süden der Landzunge und nicht wie heute am nördlichen Ende. Durch diese strategisch günstige Lage wuchs Wiskiauten in seine Bedeutung", erklärt Ibsen.



Im Frühling 2006 untersuchten deutsche Geologen, wie weit sich das Haff in der Wikingerzeit nach Süden ausdehnte. Parallel dazu lief eine der größten geomagnetischen Erkundungen, die die Archäologie in Nordeuropa je auf die Beine gestellt hat. Tagelang schleppten Spezialisten der Kieler Universität mit einem Traktor ein Georadargerät über den hart gefrorenen Acker rings um den Gräberhügel. Am Ende hatten sie mehr als 60 Hektar gescannt. "Die Geomagnetik hat fantastische Ergebnisse geliefert", sagt Ibsen. "Man kann sogar den Verlauf von Wegen erkennen."



An den ersten Strukturen wurden die Wissenschaftler sofort fündig. Unter anderem bargen sie eine byzantinische Münze, Beleg für den Fernhandel der Balten. Motor der Wirtschaftsbeziehungen in den Orient war Bernstein, das Gold der Ostsee. Für dieses Jahr sind die Ausgrabungen fast beendet. In den nächsten Monaten werden die Ergebnisse am Archäologischen Landesmuseum Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein ausgewertet. Die Ergebnisse stellt das Team ins Internet. Die Funde bleiben im Kunsthistorischen Museum von Kaliningrad.



Vor Ort hat die archäologische Forschung einen Wiskiauten-Kult ausgelöst. Das Seebad Selenogradsk möchte aus seiner Frühgeschichte touristisches Kapital schlagen. Kaliningrads Chef-Archäologe Kulakow sieht das mit gemischten Gefühlen: "Eigentlich arbeiten wir lieber im Stillen. Zu viel Lärm lockt Raubgräber an. Und die haben hier schon genug kaputt gemacht."





Und die Homepage dazu:



http://www.wiskiauten.eu/
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