Wildeshauser Geest in Niedersachsen

Besuche und Fotos hier....

Moderatoren: Aelinor, Rati

Wildeshauser Geest in Niedersachsen

Beitragvon Aelinor » 20.12.2006, 20:25

Die Wildeshauser Geest gilt als Geheim-Tipp für eine Reise in längst vergangene Welten. Nicht umsonst wird die Wildeshauser Geest in Fachkreisen „Klassische Quadratmeile der Urgeschichte“ genannt. Unzählige, überregional bekannte urzeitliche Meisterwerke warten auf Sie.
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia

Advertisement

Grosssteingräber

Beitragvon Aelinor » 20.12.2006, 20:27

Großsteingrab "Egypten"

Gemeinde Dötlingen



Grabgeschichte(n):



Bis zu einer detaillierten Untersuchung im Jahre 1992 war man der Überzeugung, an der südwestlichen Langseite befände sich der Eingang zur Grabkammer. Die Sondierungen widerlegten diese These jedoch grundlegend. Ergebnislos blieben die Sondierungsmaßnahmen dennoch nicht: Man stieß auf bislang unbekannte Reste einer ovalen Findlingsumfassung. Erst Dank dieses Fundes konnte man einen Annäherungswert der ursprünglichen Hügelgröße berechnen - ca. 15 x 12, 5 m.

Erhaltungszustand:



Die Tragsteine der kleinen Kammer in NW-SO-Ausrichtung (lichte Maße: 5,7 x 1,5 m) haben sich komplett in ihrer ursprünglichen Position erhalten. Sogar zwei Decksteine sind in ihrer entstehungszeitlichen Lage verblieben. Da ein Teil des Hügels inzwischen abgetragen wurde, haben Sie die Gelegenheit zu einem ungehinderten Blick in die vor rund 5000 Jahren konstruierte Kammer.
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia

Beitragvon Aelinor » 20.12.2006, 20:28

Großsteingrab "Am Schießstand"

Dötlingen, Gemeinde Dötlingen



Grabgeschichte(n): Zwölf Zentner Scherben



Seit dem Mittelalter war das Ost-West ausgerichtete Ganggrab Opfer von Grabraub und wiederholten Zerstörungsversuchen. So munkelt man, die Dötlinger Kirche St. Firminus sei unter Verwendung dort „entliehenen“ Steinmaterials erbaut worden. Der massivsten Attacke allerdings war das Großsteingrab im frühen 20. Jahrhundert ausgesetzt. Damals fasste der hiesige Schützenverein den heute verwunderlich anmutenden Entschluss, eine Schießbahn quer durch das östliche Drittel des Grabes zu ziehen. Rigoros wurden viele Steine entfernt.



1958 folgten intensive archäologische Untersuchungen. Man barg eine äußerst beachtliche Menge Tonscherben, und zwar konkret 12 Zentner!!! Außerdem stieß man auf einhundert kleine Feuersteingeräte und die bekannte Bernsteinkette. Dank der akribischen Grabungsarbeiten erhielt man – quasi ganz nebenbei - detaillierten Einblick in die Erbauungstechniken jungsteinzeitlicher Baumeister: Sie ließen die Tragsteine des insgesamt 18,5 m langen und 1,80 bis 3 m breiten Grabes unterschiedlich tief in den Boden ein, um oberhalb des Bodenniveaus eine einheitliche Höhe zu gewinnen. Schließlich sollte eine ebene Lagerung der Decksteine gewährleistet sein. Im Anschluss wurden die Zwickel zwischen den Tragsteinen mit Trockenmauerwerk aus Granitplatten gefüllt und die Kammer sorgfältig mit Feldsteinen gepflastert. Im westlichen Teil des Grabes ist diese Pflasterung bis heute sehr gut erhalten.

Erhaltungszustand:



Heute finden Sie das Grab in einem teilrekonstruiertem Zustand vor. Die stützenden Holzpfähle und Betonelemente entsprechen den Rekonstruktionsvorstellungen der 1950er Jahre. Gestalterisch differenziert zwischen Originalzustand und nachträglichen "Beigaben" wurde damals nicht: Von der nördlichen Langseite sind sieben (drei davon in Originallage), von der südlichen sechs Tragsteine (allesamt in entstehungszeitlicher Position) sichtbar. Zwei Decksteine liegen auf, die übrigen fehlen.
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia

Beitragvon Aelinor » 20.12.2006, 20:29

Großsteingrab „Gerichtsstätte“

Dötlingen, Gemeinde Dötlingen



Grabgeschichte(n): Ein jungsteinzeitliches Großsteingrab als Ort frühneuzeitlicher Rechtsprechung



Der befremdliche Name des Großsteingrabes rührt von einer verbreiteten Tradition: Lange, lange, lange nach ihrer Entstehung nutzte man die Plätze an Großsteingräbern gelegentlich als Orte von Rechtsprechung und Beratung. Wie weit der Brauch zurückgeht und ob er aus der Sitte abgeleitet wurde, wichtige soziale Ereignisse in Nähe der weiterlebend geglaubten Toten, abzuhalten , ist unbekannt.

Erhaltungszustand:



Heute ist das Grab nur noch in Fragmenten sichtbar: Die Nord-Süd ausgerichtete Steinkammer verfügt über Außenmaße von 4 x 1,5 m. Zwei große Trägersteine der westlichen und drei kleinere der östlichen Langseite sind noch in Originallage zu besichtigen. Ein Deckstein liegt unmittelbar neben dem Grab.
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia

Beitragvon Aelinor » 20.12.2006, 20:30

Großsteingrab „Steenberg“

Sandhatten, Gemeinde Hatten



Grabgeschichte(n): Ein „Steinberg“ aus der Jungsteinzeit



Das vor rund 5000 Jahren aus überzeugtem Jenseitsglauben und unter beachtlichem Organisations- und Kräfteaufwand errichtete Großsteingrab schlicht „Steenberg“ (Steinberg) zu nennen, klingt aus heutiger Sicht nicht unbedingt respektvoll. Wenn die konkrete Herkunft dieser, seit Generationen etablierten Bezeichnung auch nicht bekannt ist, so dokumentiert die eigenständige Namensprägung immerhin, dass das rätselhafte vorgeschichtliche Relikt schon längere Zeit die Gemüter bewegt haben muss. Allerdings geriet man offenbar bei der Deutung des „Urgesteins“ in einen gewissen Erklärungsnotstand...



Während beim „Steenberg“ bislang keine Grabungen angestrengt wurden, belegen die überreichen Grabbeigaben eines nahegelegenen, für Besucher unzugänglichen weiteren Megalithgrabes einmal mehr den intensiven Jenseitsglauben unserer Vorfahren: In den 1930er Jahren wurden hier im Rahmen archäologischer Untersuchungen Scherben von mehr als 200 verzierten Gefäßen, zudem etwa 260 querschneidige Pfeilspitzen, einzelne Flintäxte sowie eine große und über 40 weitere, kleinere Bernsteinperlen geborgen. Für dieses Grab ist zugleich die Weiternutzung in der Bronzezeit belegt: Bei den Grabungsarbeiten stieß man auf Spuren bronzezeitlicher Brandbestattung. Heute befinden sich o.g. Grabbeigaben in Besitz des Landesmuseums für Natur und Mensch Oldenburg.

Erhaltungszustand:



Die annähernd Ost-West ausgerichtete und ca. 16,3 x 2 m große Kammer weist einen relativ guten Erhaltungszustand auf. Ihre Tragsteine existieren beinahe noch vollständig, zur Hälfte sogar in Originallage. Lediglich auf den Langseiten ist der Verlust je eines Steines zu verzeichnen.
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia

Beitragvon Aelinor » 20.12.2006, 20:32

Großsteingräber „Hünensteine“ I , II , III

Steinkimmen, Gemeinde Ganderkesee



Grabgeschichte(n): Fliegende Hinkelsteine



Während die Forschung noch über der Entstehung und der Funktion der Steinkimmer Gräber grübelte, hatten die Anwohner und Anwohnerinnen eine verblüffend simple Erklärung parat: Einig war man sich, „Minsken harren dat woll laten schullt, de so bin anner to släpen.“ (Menschen hätten es gelassen, Steine so zusammen zu tragen). Also kam nur eine einzige Erklärung in Frage: Es müssen Riesen gewesen sein, mit Hinkelsteinen werfende Riesen, die ihre Wurfobjekte nach Spielbeendigung unverrichteter Dinge einfach zurückließen. Daher vermutlich auch der Name „Hünensteine“.

Erhaltungszustand:



Grab I

Wie schon angedeutet, imponiert das in einem schattigen Waldstück gelegene Grab I vor allem durch seinen wuchtigen, inzwischen an einen Hang verlagerten Deckstein. Nordwest-Südost orientiert und von einem schwach angedeuteten Hügel umschlossen, sind von der Kammer-Langseiten acht Trägersteine (einige in Originallage) und ein weiterer Deckstein sichtbar. Zusätzliche Tragsteine liegen in Nähe der Kammer.



Grab II

Das etwa 200 m südwestlich von Grab I entfernte Grab II (Nr. 928) beeindruckt durch eine 23 m lange Steinkammer, deren ehemalige ovale Einfassung noch zum Teil sichtbar ist.

Viele der Tragsteine haben sich (mitunter in Originalposition) erhalten, doch liegt von den Decksteinen lediglich der so genannte Tordeckstein noch auf - und zwar in entstehungszeitlicher Lage an der Südseite der Kammer. Von allen übrigen Decksteinen sind nur mehr Bruchstücke vorhanden.



Grab III

Nur zwei bis drei Decksteine, einer davon eventuell in Originallage, sind heute noch zu sehen. Aus dem flachen Hügel kragen einige Trägersteine empor. Im Jahre 1969 wurden die Hünensteine III (und zwar auf einer Fläche von etwa 10 m² vor dem Grabeingang) untersucht. Bergen konnte man 1 Zentner Keramikscherben, 2 Flintquerschneider und die Reste eines Bronzeröllchens.
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia

Beitragvon Aelinor » 20.12.2006, 20:33

Großsteingrab

Stenum, Gemeinde Ganderkesee



Grabgeschichte(n): Von Deutschen, ihren Gräbern und ihren Eichen



Schon der Ortsname Stenums (Steinheim) kündet von der Jahrhunderte währenden engen Beziehung der Region zu ihren Findlingen und Großsteingräbern.



Das in Stenum vorzufindende Ensemble von Megalithgrab und Eiche erinnert an einen nicht unwesentlichen Strang der langen und wechselhaften Rezeptionsgeschichte von Großsteingräbern, mit dem wir konfrontiert werden: Mit patriotisch verklärtem Blick erklärte man Hünengräber in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu den Symbolen deutscher Einheit – insbesondere so sie in Synthese mit der vermeintlich „deutschen Eiche“ in Erscheinung traten. Eilig begann man mancherorts in Nähe der jungsteinzeitlichen Monumente Eichen zu pflanzen und prägte somit ein Bild, das bis heute unsere Vorstellung von Megalithgräbern nachhaltig beeinflusst. Dass die Errichtung von Großsteingräbern diesen (Fehl-) Deutungen zum Trotz alles andere als ein typisch deutsches Phänomen verkörperte, sondern vielmehr europaweit verbreitet war, mochte damals niemand so recht wahrhaben...

Erhaltungszustand:



Trotz des fragmentarischen Erhaltungszustandes bietet das Stenumer Grab in seiner Gesamtheit ein eindrucksvolles Bild:
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia

Beitragvon Aelinor » 20.12.2006, 20:35

Gräber-Ensemble

(Großsteingrab und Hügelgrab)

bei Huntlosen, Gemeinde Großenkneten



Grabgeschichte(n): Komprimierte Zeitreise – vom bronzezeitlichen Hügelgrab zum jungsteinzeitlichen Großsteingrab



Rund 2000 Jahre Bestattungs- und Glaubensgeschichte liegen zwischen diesen beiden, dicht bei einander liegenden Kulturdenkmälern. Bei einem Besuch der Gräber durchleben Sie die Kulturgeschichte gewissermaßen rückwärts: An einen Feldrain grenzend, treffen Sie zuerst vis-à-vis der Abzweigung zum Großsteingrab auf das etwa 3000 Jahre alte Hügelgrab. Es gibt sich schon von weitem zu erkennen. Das ca. 5000 Jahre alte Großsteingrab hingegen liegt ein wenig verborgen - und zwar abseits des Waldweges.

Erhaltungszustand

Hügelgrab



Dicht mit Bäumen bewachsen, verfügt das etwa 1,6 m hohe Hügelgrab über den stattlichen Durchmesser von etwa 11 m. Dabei wurde der Grabhügel - mit Ausnahme einiger Schäden an der Nordseite - weitgehend unversehrt überliefert



Großsteingrab



Das Ost-West orientierte und etwa 5000 Jahre alte Großsteingrab aus der Jungsteinzeit lässt zunächst acht Tragsteine erkennen: fünf auf der südlichen und drei auf der nördlichen Langseite. In Originalposition befindet sich wahrscheinlich nur ein weiterer Tragstein, der Tragstein der östlichen Schmalseite. Anhand der überlieferten Steine und der spärlichen Reste der Aufschüttung haben Archäologen die ursprüngliche Kammerlänge rekonstruiert - vermutlich betrug sie 14 x 2 m.
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia

Beitragvon AWS » 21.12.2006, 17:15

Aelinor, meen leve Deern,



do häss jo man ganz schön rumkieken aver ick glöv, dat du dor ´n beten wat vergeten häst.

De gößte Ansammlung von disse ollen Hinkelsteingräbers sün dok all uppen Truppenübungsplatz vun Bergen-Hohne. Dor givt dat seben Stück inne Noberschafft.



Leven grut



AWS
AWS
Runenmeister
 
Beiträge: 293
Registriert: 29.05.2006, 20:04
Wohnort: Bad Bederkesa

Beitragvon Aelinor » 11.03.2007, 20:17

so hier gibts noch mehr tipps:



http://www.steinzeitreise.de/einleitung.php
Was nützt`s, daß du die Schlacht gewinnst, wenn du am Vortage den Geschichtsschreiber beleidigt hast...
Aelinor
Hermundurin
 
Beiträge: 753
Registriert: 24.07.2006, 19:53
Wohnort: Thüringia


Zurück zu Magische Orte und Kultplätze

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

  • Advertisement
cron